Äthiopien-Prinz fordert neue Afrikapolitik

In unserem neuesten missio magazin spricht der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, Prinz Asfa-Wossen Asserate, Klartext:

„Fluchtpartnerschaften mit den Gewaltherrschern Afrikas können die Migration nicht stoppen. Man muss endlich realisieren, wer die größten Exporteure von Migranten sind: Keine anderen als die Gewaltherrscher, die nicht erlauben, dass ihre eigenen Menschen in ihren eigenen Ländern ein menschenwürdiges Dasein führen können.“

Der Schriftsteller Prinz Asfa-Wossen Asserate. Foto: dpa

Damit kritisiert der in Deutschland lebende Buchautor und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande die jahrzehntelange Unterstützung des Westens für die bisherige Politik der Regierung seines Heimatlandes, unter der die Menschen in Äthiopien stark gelitten hätten.

„27 Jahre lang haben unsere lieben europäischen Freunde die Tränen und das Flehen des äthiopischen Volkes nicht akzeptieren wollen und dieses Regime in einer Art und Weise unterstützt, wie es noch keinem Regime in Äthiopien und in Afrika zuteilwurde.“

Von Europa erwartet Asserate jetzt dringend einen Neuansatz der Afrikapolitik: „Nur eine radikale Wendung in der Afrikapolitik wird die Fluchtursachen vermindern!“

Den politischen Wandel in seinem Heimatland Äthiopien wertet der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie im Interview mit dem missio magazin als äußerst positiv: „Das gesamte äthiopische Volk sagt ‚Nein‘ zu dem Regime, das der Westen aufgebaut hat. An einem einzigen Sonntag sind vier Millionen Äthiopier auf die Straße gegangen. Das ist der Frühling, auf den wir seit 27 Jahren warten.“

Asserate sieht Äthiopien in einer Vorbildrolle auch im interreligiösen Dialog: „Ich glaube, wir Äthiopier sind dafür prädestiniert, weil wir das Land sind, in dem die drei abrahamitischen Religionen seit Jahrhunderten friedlich Seite an Seite leben. Angesichts dessen, was etwa in Nigeria geschieht oder mit den koptischen Christen in Ägypten, brauchen wir diesen Dialog dringender als je zuvor.“

Äthiopien steht in diesem Jahr im Mittelpunkt des Monats der Weltmission Oktober. Das aktuelle missio magazin mit dem Länderschwerpunkt Äthiopien erscheint am 14. August.

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