Einsatz für die Menschen auf der Mülldeponie Payatas

P. Daniel Pilario best
Pater Daniel Pilario CM, Theologieprofessor an der St. Vincents Scool of Theology in Quezon City/ Manila, unterstützt Menschen in Payatas © missio/ Gabriele Riffert

Pater Daniels Kampf für bessere Lebensbedingungen

Der Vinzentinerpater Daniel Pilario und seine Mitbrüder werden in ihrer Arbeit täglich mit den sozialen Extremen auf den Philippinen konfrontiert. Während die Profiteure von Elektronik-Industrie und boomendem Dienstleistungssektor ihren Shopping-Gelüsten in den zahlreichen Malls nachgehen können, bleibt vielen anderen Menschen oft keine andere Wahl, als vom Müll der reicheren Bevölkerungsschicht zu leben.

Pater Daniel ist eigentlich Theologieprofessor. Gerade deswegen setzt er sich aber auch für die Bedürfnisse der Bewohner der riesigen Mülldeponie Payatas ein. Von seinem Engagement für die Menschen, seinem Kampf gegen die Betreiber der Mülldeponie und der Motivation hinter seinem Handeln erzählt er in diesem Beitrag.

Seit 30 Jahren im Einsatz für die Armen in Metro Manila 

Payatas ist eine der größten Mülldeponien Manilas. Hier leben ungefähr 20.000 Menschen, die zum größten Teil auch vom Müll leben. Auf dem Gebiet der Mülldeponie gibt es auch eine Pfarrei. Hier feiere ich mit den Menschen Gottesdienst, besuche sie zu Hause und verbringe mit ihnen Zeit. Wir arbeiten seit mittlerweile fast 30 Jahren auf dem Müll. Damals hatten wir vor allem kurze Einsätze in der Mülldeponie. Es stank, es gab keinerlei feste Straßen und es war gefährlich dort. Die Vinzentinische Gemeinschaft hat damals die Gemeinde aufgebaut, als kein anderer Kleriker zu den Menschen im Müll kommen wollte.

SONY DSC
Matratzen werden aus Müll gefertigt                  © missio/ Susanne Riedlbauer

Was die Menschen von Payatas wirklich brauchen   

Wir haben gleich mit verschiedenen Projekten angefangen. Zum Beispiel Waschgelegenheiten und einen Pool für die Kinder und Jugendlichen anzubieten, die Müll sammeln und am späten Nachmittag mit dem Bus nach Hause zurückfahren. Natürlich riechen sie nach dem Müllsammeln nicht gut, und so haben die anderen Leute im Bus die Nase gerümpft. Wir haben ihnen Duschen angeboten und danach den Swimmingpool. Sie haben auch etwas zu essen bekommen.

Und bevor sie zum Sammeln auf den Müll gegangen sind, konnten sie ihre Sachen sicher bei uns zurücklassen. Das war genau das, was sie gebraucht haben. Und so sind sie am nächsten Tag wiedergekommen.

Auf der Mülldeponie arbeiten auch viele Mütter mit Kindern. Einige Lehrer haben angeboten, dass sie die Kinder unterrichten könnten, solange die Mütter Müll sammeln. Für die Kleineren haben wir eine Art Kindergarten organisiert. Das Leben im Müll ist sehr hart, und wir geben ihnen einen Platz, an dem sie einfach sein können.

Kampf gegen die Betreiber der Deponie

Vor drei Jahren sind wir von der Betreibergesellschaft aufgefordert worden, eine unserer Kapellen auf der Deponie zu verlassen, weil die Company eine Erweiterung der Mülldeponie durchführen wollte. Bisher haben wir uns geweigert zu gehen. Wir haben Behördenvertreter eingeschaltet und mit den Betreibern verhandelt, aber der Knackpunkt ist, dass das Land ja nicht uns gehört. Wenn wir aber gehen, werden die Hütten der Bewohner auch abgerissen. Für die Menschen, die direkt neben der alten Kapelle leben, ist das ihre Heimat, die sie nun verlieren werden. Sie müssen weg. Dafür sollen sie einen kleinen Betrag bekommen, der aber nicht ausreicht, um sich irgendwo  anders  eine  richtige  Bleibe  zu  suchen.  Wie könnte man sich auch für 50.000 philippinische Pesos ein Haus kaufen? (Anmerkung: 56,55 Pesos ergeben einen Euro. Die Deponiebetreiber zahlen also weniger als 1.000 Euro an jeden Umsiedler).

Wir haben uns der Vernichtung unserer früheren Kapelle so lange entgegengestellt, bis wir wenigstens die oben genannte Summe für die Menschen herausholen konnten. Die Betreiber wussten genau, dass wir als Kirchenvertreter ihnen andernfalls genau die Aufmerksamkeit verschaffen würden, die sie nicht wollen. Die Kirche ist ein anerkannter Akteur und hat mehr Einfluss als viele Behördenvertreter oder die Parteien. Deshalb bleiben wir auch vor Ort, feiern Gottesdienst mit den Menschen, leben mit ihnen und sind solidarisch mit ihnen. Immerhin haben Freiwillige des Deponiebetreibers am Rand der Deponie eine neue Kapelle errichtet.

Lebendiger Glaube durch den Einsatz für die Menschen 

Viel mehr, als ich den Menschen auf der Deponie helfe, helfen sie mir, die Bedeutung meiner Priesterschaft, der Theologie und der Kirche zu erkennen. Ich sage ihnen öfters: „Wenn ich den Glauben vor Augen habe, mit dem ihr lebt, obwohl ihr im Leben viele Schwierigkeiten habt, dann ermutigt ihr auch mich, dass ich voller Glauben lebe. Ihr habt mich gelehrt, was es heißt, heute Christ zu sein.“

Eine Sache, die wir und die Menschen hier in Deutschland teilen können ist, dass unser Glaube und die Theologie nur dann Bedeutung haben, wenn wir bei den Bedürfnissen der Menschen ansetzen, egal, wo wir beheimatet sind. Auf den Philippinen sind das zum Beispiel die Bedürfnisse der Menschen auf der Mülldeponie. In Deutschland sind das vielleicht die Bedürfnisse der vielen alten und einsamen Menschen, die alleine leben. Wir müssen hinausgehen, mit den Menschen sprechen, uns auf sie einlassen. Papst Franziskus hat hier ganz klar Stellung bezogen: Eine selbstreferentielle Kirche, also eine Kirche, die nur um sich selbst kreist, lebt nicht wirklich.

Die Interviewpassagen mit Pater Daniel Pilario entstammen einem Beitrag der Zeitschrift missio konkret (Ausgabe 4/2014). Das Interview führte Gabriele Riffert.

headermüll
Müllberg von Manila, Philippinen © missio/ Susanne Riedlbauer

 

Facebooktwittergoogle_plusmail
Facebooktwittergoogle_plusrssyoutube