Entsetzen nach Anschlägen auf den Philippinen

Großes Entsetzen auf den Philippinen: Am Sonntagvormittag (27. Januar) explodierten in der Mount Carmel Kathedrale in Jolo – der Provinzhauptstadt von Sulu, einer Inselgruppe ganz im Süden des Landes – zwei Bomben. Mehr als 20 Menschen wurden getötet und mehr als 100 verletzt. Der sogenannte Islamische Staat bekannte sich offenbar zu dem Anschlag. Nur ein paar Tage später kam es dann gestern noch in Zamboanga auf der Insel Mindanao zum Anschlag auf eine Moschee, bei der zwei Geistliche getötet wurden. Viele vermuten einen Racheakt.

Für uns und vor allem für unsere Partner auf den Philippinen sind die Anschläge ein Schock. Immer wieder kommt es im Süden des überwiegend katholischen ostasiatischen Landes zwar zu Unruhen und Angriffen von Islamisten. Aber der Anschlag auf die Kathedrale in Jolo war einer der verheerendsten in der Geschichte der katholischen Kirche im Süden der Philippinen. Viele fürchten jetzt eine neue Welle der Gewalt.

Dabei setzen sich unsere Partner mit Unterstützung unserer Spender aus Deutschland mit einem großartigen Projekt für den Frieden auf der zweitgrößten philippinischen Insel Mindanao – die oberhalb des Sulu-Archipels liegt – ein. Das Dialogprojekt heißt Duyog Marawi. Sein Ziel ist es, Christen und Muslime zu versöhnen und Vorurteile abzubauen. Junge Muslime und junge Christen arbeiten Seite an Seite am Wiederaufbau der Stadt Marawi, die im Jahr 2017 während einer fünfmonatigen Besetzung durch IS-Anhänger komplett zerstört wurde – wir haben darüber in einem Blogpost im Juni 2018 schon berichtet.  Mehr als 1200 Menschen wurden damals bei den Gefechten zwischen Islamisten und Regierungstruppen getötet.

Zerstörte Innenstadt (Ground Zero) der Stadt Marawi am Ufer des Lanao-Sees, Insel Mindanao, Philippinen — Foto © FRIEDRICH STARK

Einer der Organisatoren und Verantwortlichen von Duyog Marawi, unser Partner Rey Barnido, hat jetzt geschrieben: „Der Bombenanschlag auf die Kathedrale von Jolo und die Moschee in Zamboanga lässt uns in Trauer, Angst und Verwirrung zurück. Wir merken, dass das, was wir tun, zerbrechlich ist. Aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen! Gemeinsam müssen wir Extremismus und Terrorismus trotzen.“

Helfer von Duyog Marawi helfen Bewohnern von Marawi, die während des Krieges alles verloren haben. Foto © FRIEDRICH STARK


Die Hintergründe zu den Anschlägen:
Muslimische Rebellen kämpfen im Süden der Philippinen seit mehr als 40 Jahren für ihre kulturelle und politische Selbstbestimmung. Der Konflikt ist bis heute ungelöst, obwohl seit 1990 die vom philippinischen Parlament beschlossene Autonome Region Bangsamoro existiert, zu der neben der zweitgrößten philippinischen Insel Mindanao auch die Provinz Sulu gehört. Als Kernstück für einen dauerhaften Frieden zwischen Rebellen und Regierung gilt das sogenannte Bangsamoro-Gesetz – die künftige Verfassung der autonomen Region Bangsamoro. Bei einer Volksabstimmung stimmte jetzt die große Mehrheit der Menschen auf Mindanao für den Gesetzentwurf, nur in Sulu gab es dafür keine Mehrheit.

Weitere Informationen vor allem über die Situation der Muslime im Süden der Philippinen, über den Krieg in Marawi und das Dialogprojekt Duyog Marawi findet Ihr in der Reportage „Spur des Terrors“ aus dem missio magazin 4/2018:

Zur Reportage >>

Wir lesen uns in der nächsten Woche wieder!

Euer Team von missio for life


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