Illegale Siedler aus Manila organisieren Katastrophenvorsorge

Sie lebten als illegale Siedler in Manila – unter Brücken, an der Meeresküste oder am Straßenrand. Bis sie von der Regierung zwangsumgesiedelt wurden. Christen, Muslime und Anhänger verschiedenster politischer Lager mussten auf einmal mitten im Niemandsland zusammenleben. missio-magazin-Redakteurin Steffi Seyferth erzählt in ihrer Reportage nicht nur vom Unglück, das mit dem Taifun Ondoy kam. Sie hat auch erlebt, wie die Menschen nach dem Wirbelsturm zusammengewachsen sind und ein ausgeklügeltes Rehabilitations- und Katastrophenvorsorgeprogramm entwickelt haben.

Zwangsumsiedlung aus Manila

Alltag in "Suburban Village" auf den Philippinen © Fritz Stark
Alltag in „Suburban Village“ auf den Philippinen © Fritz Stark

Von der Decke baumeln bunte Schwimmwesten und ein Rettungsring. An den Wänden hängen zwei große Pläne: „Fluchtweg bei Überschwemmung“ steht auf dem einen, „Gefahrenkarte“ auf dem anderen. Das Gebäude, in dem sich diese Notfallutensilien befinden, ist das Zentrum einer ganz besonderen Gemeinschaft. „Suburban Village“ nennen die Bewohner den kleinen Ort, der ihr Leben komplett verändert hat. Wer hier wohnt, gehörte in seinem früheren Leben zu den drei Millionen illegalen Siedlern, die in der Megametropole Manila vermutet werden.

Immer wieder löst die philippinische Regierung solche Siedlungen auf. Oft erklärt sie die Gebiete zur „Danger Zone“ („gefährlichen Zone“). Oft stimmt das. Manchmal ist es aber auch die einfachste Erklärung, um Platz zu schaffen für neue Bauprojekte. „Sie leben hier zu gefährlich“, sagten die Behörden vor zwölf Jahren auch zu Mary-Ann Rulloda, nachdem ihre Hütte und die einiger anderer illegaler Siedler bei einem  Brand in Manilas Stadtteil Intramuros zerstört wurde. So kam Mary-Ann mit ihrer Familie nach „Suburban Village“.

Die meisten Bewohner wurden vor über zehn Jahren umgesiedelt. Sie kamen aus allen Ecken Manilas. „Die Leute lebten eher nebeneinander her als miteinander“, sagt Mary-Ann Rulloda. Bis zum Jahr 2009. Als der Taifun Ondoy das kleine Dorf fast komplett unter Wasser setzte und die Menschen in Angst und Panik versetzte.  „Als die Flut kam, waren mein Mann und ich nicht zuhause, die Kinder konnten sich zum Glück aufs Dach retten“, sagt Mary-Ann Rulloda. „Aber mein Sohn hat heute noch Albträume von diesem Tag“.

 

Solidarität in der Gemeinschaft nach Wirbelsturm Ondoy  

Entlang der Mauer von „Suburban Village“ läuft ein kleiner Fluss – über 30 Kilometer von der Meeresküste entfernt. Man möchte kaum glauben, dass dieses seichte Wasser den Bewohnern bei starkem Regen zum Verhängnis werden kann. Doch die Bilder, die während Ondoy entstanden sind, zeigen den meterhohen Wasserstand des Baches und bis zum Dach versunkene Häuser.

Lagebesprechung im RPI, um auf zuküntige Katstrophen vorbereitet zu sein. © Fritz Stark
Lagebesprechung im RPI, um auf zuküntige Katstrophen vorbereitet zu sein. © Fritz Stark

Nach dem verheerenden Wirbelsturm startete das sozio-pastorale Institut (SPI) der katholischen Kirche mit den traumatisierten Bewohnern ein Rehabilitations- und Katastrophenvorsorgeprogramm, das die Bewohner zu einer eingeschworenen und selbstorganisierten Gemeinschaft werden ließ. „Das, was die Wissenschaftler ‘Jahrhundertsturm’ nennen, haben wir inzwischen fast jedes Jahr auf den Philippinen. Und mit den Stürmen kommen heftige Überschwemmungen“, sagt Joey Clemente von SPI. „Die Regierung bietet zwar auch Katastrophenschutzprogramme an, aber sie sind sehr lückenhaft. Wir müssen zusehen, dass sich die Menschen in diesen Extremsituationen selbst helfen können und dazu müssen sie zusammenhalten.“

„Du musst es schaffen, dass die Leute eine Verbindung zueinander haben. Unser Ansatz ist die Spiritualität.“, bringt es Joey Clemente auf den Punkt. Man braucht eine Sprache, die alle verstehen, egal ob Christ oder Muslim. „Letzten Endes geht es darum, gemeinsame Werte und Träume zu formulieren und die Talente der Bewohner für das Wohl der Gemeinschaft zu nutzen.“

Hier geht’s zur kompletten Reportage von Steffi Seyferth >>

 

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