Liebe in Indien – Die Rolle der Frau

Das Verhältnis zwischen Mann und Frau mag nicht immer einfach sein, zumal, wenn sie eine Familie gründen. Gerade junge Familien bedürfen viel an Unterstützung seitens der Gesellschaft.

In Indien sehen sich gerade junge Frauen einer Vielzahl von Problemen ausgesetzt, wenn es um ihre Verheiratung, sprich, ihre Zukunft als Mütter, geht. Liebesheiraten gibt es in Indien nur selten. Wenn überhaupt, dann am ehesten in den Großstädten, wie z.B. in Delhi. Meistens kommt es bei der Vermählung eines Paares zu einer Verabredung der jeweiligen Familien mit dem Themenschwerpunkt „Tradition und Mitgift.“

Darunter leiden hauptsächlich junge Mädchen und Frauen, die sich wie eine Ware vorkommen, wenn sie auf diese Art an die jeweilige Familie des Mannes vermittelt werden und obendrein eine hohe Summe, genannt Mitgift, in die Ehe miteinbringen müssen. Oft arbeiten die Mädchen deshalb bereits in jungen Jahren hart in den Fabriken, um  später ihre zukünftigen Männer dafür auszahlen zu können, dass sie ihnen nach der Vermählung zu Dienste sein dürfen. Solch eine Mitgift-Steuer bleibt die ganze Ehe über abzuleisten, und wehe, die Summe erscheint nicht respektabel genug! Die Familie der Ehefrau steht unter ständigem Druck, Zahlungen leisten zu müssen. Kein Wunder, dass bei der Geburt weibliche Föten oftmals abgetrieben werden. Dies stellt ein großes soziales Problem für die Frauen in Indien dar.  Einerseits sind es die Mütter,  die für alle Belange und Bedürfnisse in der Familie zuständig sind, andererseits müssen sie weiterhin Mitgiftzahlungen leisten. Fallen diese, nach Meinung der Familie des Mannes, zu dürftig aus, kommt es nicht selten zur Gewalt gegen die Frau. Dies kann von Schlägen bis zu Tötungsdelikten reichen.

„The Lancet“, eine renommierte medizinische Zeitschrift, veröffentlichte folgende Zahlen:

106.000 Frauen in Indien kommen innerhalb eines Jahres in ihrem Zuhause durch Feuer ums Leben. Die Ehefrau wird mit Öl übergossen und angezündet. Sollte sie diesen Anschlag überleben, bleibt sie für immer entstellt. Auch werden sie Opfer von Anschlägen durch Säure oder giftigen Chemikalien.  Die Münchner Photographin Ann-Christine Woehrl hat hierzu letztes Jahr die sehr intensive Ausstellung “In/visible” (“Un/sichtbar”) im Völkerkundemuseum  initiiert.

In der interaktiven Ausstellung „missio for life“ wird dieser Missstand durch das Schicksal der Inderin Renu thematisiert. Die Schüler setzen sich damit auseinander, wie Renu erst verheiratet wird und eine teure Mitgift zahlen muss. Weil sie nach Meinung ihres verwöhnten Ehemanns  als Ehefrau versagt hat und die Familie noch einmal Mitgift abkassieren will, versucht Renus Schwiegermutter sie zu ermorden.

Es gibt aber auch erste Anzeichen in Indien, dass das alte Rollenverständnis, wie eine Frau innerhalb  einer Ehe zu funktionieren habe, aufgebrochen wird. Auch die Männer müssen sich gegenüber ihren Familien emanzipieren und dürfen sich nicht, wie z.B. oft auf dem Land zu beobachten ist, in den Alkohol flüchten. Es gibt auch in Indien Männer, die bereit sind, zu akzeptieren, dass Frauen karriereorientiert sein wollen, und unterstützen sie dabei. Diese veränderte Rollenverteilung gilt es zu akzeptieren. Doch es bleibt noch ein langer Weg, bis die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt wird. Indiens Männer und Frauen müssen gemeinsam an eine bessere Zukunft glauben und auch Bereitschaft zeigen, gemeinsam daran zu arbeiten.  Hierfür sind viele Hürden bezüglich einer traditionellen Rollenverteilung zu überwinden. Wirkliche Freiheit für die Frau (und auch für den Mann) bedeutet, eigene Entscheidungen treffen zu können, einen Lebenspartner selbst wählen zu dürfen und sich aus eigenem Bedürfnis heraus für eine berufliche Karriere entscheiden zu können – für die meisten Frauen und Mädchen in Indien immer noch ein Traum.

Wir von „missio for life“ möchten Projekten in Indien Aufmerksamkeit und Unterstützung zukommen lassen, durch die die Frauen Indiens ein neues Selbstbewusstsein erhalten. Mit Projekten, die Frauen stärken, ihnen eine eigenständige schulische Ausbildung bieten und Kompetenz in Schrift und Sprache vermitteln, fördern wir die Herausbildung einer positiven weiblichen Autorität. Informiere dich über das Projekt in Lucknow, einer Region nordöstlich Indiens, in welcher das Frauenhaus Navjagriti zu Hause ist! „missio for life“ arbeitet mit den Schwestern von Navjagriti eng zusammen. Hierzu gibt es unsere Dokumentation “Broken Bangles”.

Die Rolle der Frau ist nicht nur in fernen Ländern wie Indien ein Thema, sondern geht uns auch alle in Deutschland etwas an. Denn in unserer Gesellschaft bedeutet Mutterschaft für Frauen vielfach noch immer, eine Wahl treffen zu müssen – zwischen der Entfaltung und Verwirklichung der eigenen Fähigkeiten im Rahmen der Berufstätigkeit einerseits, und der Betreuung und Erziehung von Kindern und der Familienarbeit andererseits. Je mehr sich die Väter in die Kindererziehung einbringen, je mehr sie auch andere Aufgaben im Haushalt übernehmen, desto geringer wird der Druck, der auf den Müttern lastet. Diese Doppelbelastung durch Beruf und Familie ist mit Stress verbunden. Doch jede Frau sollte selbst entscheiden können, ob sie bereit ist, sich darauf einzulassen oder nicht. Ein ausgiebiger Mutterschaftsdiskurs muss also dringend stattfinden.

Eine schöne Dokumentation, die von Liebespaaren aus Indien erzählt, zeigt, wie es die Liebe immer wieder schafft, sich über alle Hürden hinweg einen Weg zu bahnen, kann hier angesehen werden.

Zitat von Hermann Hesse

Zitat von Hermann Hesse

Liebe ist frei © Jonas Bachmann
Liebe ist frei © Jonas Bachmann

 

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