Mindanao im blutigen Ausnahmezustand

Die Nachrichten und Berichte, die uns gerade von der philippinischen Insel Mindanao erreichen, machen uns fassungslos. Muslimische Extremisten und Regierungstruppen liefern sich dort blutige Gefechte. Die Bevölkerung leidet von Tag zu Tag mehr, ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht!

Dem Terror trotzen: Christlich-islamischer Dialog als Zeichnung auf einer Mauer in Cotabato City auf Mindanao.

Mit schwerem Geschütz haben philippinische Streitkräfte vor rund eineinhalb Wochen (27./28. Mai) islamistische Rebellen angegriffen. Die Rebellen der sogenannten Maute group – einer philippinischen Abspaltung des IS – hatten versucht, die Großstadt Marawi auf der Insel zu erobern. Neben der Kathedrale wurden die Uni, eine Schule und weitere Gebäude in Brand gesetzt. Der Generalvikar im Bistum Marawi, Teresito Suganob, und zahlreiche weitere Pfarreimitglieder wurden während des Gottesdienstes entführt.

Nach dem Angriff verhängte Präsident Rodrigo Duterte für die gesamte Insel Mindanao das Kriegsrecht – zunächst für 60 Tage. Bei den Gefechten wurden bisher weit mehr als 100 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten. Medienberichten zufolge fast 90 Prozent der mehr als 200.000 Einwohner Marawis auf der Flucht!

Solche blutigen Auseinandersetzungen sind auf der philippinischen Insel Mindanao leider nichts Neues. Immer wieder kommt es dort zu Anschlägen und Gewalt zwischen der Armee und islamistischen Extremisten, die sich Abu Sayyaf und Maute nennen.

Kardinal Quevedo im Gespräch mit einem Kämpfer der verhandlungsbereiten Moro Islamic Liberation Front (MILF) bei Cotabato auf der Insel Mindanao
@Fotos: missio/Friedrich Stark

Seit vielen Jahren unterstützt missio München dort die Friedensarbeit und engagiert sich für ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen. In der Erzdiözese Cotabato auf der Insel Mindanao/Philippinen tritt der langjährige missio-Partner Kardinal Orlando Quevedo für den interreligiösen Dialog ein.

Die Moro – wie die philippinischen Muslime genannt werden – fordern mit dem „Bangsamoro Basic Law“ eine selbstverwaltete Region auf Mindanao. „Dieses Zugeständnis wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Frieden“, ist die Meinung von Quevedo. Der Kardinal war im Monat der Weltmission im Oktober vergangenen Jahres zu Gast bei missio München, in den bayerischen Diözesen und im Bistum Speyer.

Im Sommer vergangenen Jahres besuchte eine missio-Delegation die Projektpartner des internationalen katholischen Hilfswerks auf Mindanao.

Um die Hintergründe auf Mindanao zu verstehen, verweist Kardinal Quevedo auf die Geschichte: Der Islam existierte bereits 200 Jahre auf den Philippinen, als das Christentum mit der spanischen Kolonialmacht im 16. Jahrhundert auf die Inselgruppe kam. Heute leben auf Mindanao mehrheitlich Christen. Gefördert wurde diese Entwicklung durch die Politik der 1950er Jahre: Mit Unterstützung der damaligen Kolonialmacht USA beginnt die philippinische Regierung, Christen systematisch aus dem Norden des Landes in das südliche Mindanao umzusiedeln.

Landflächen, die seit Jahrhunderten von Indigenen und Muslimen genutzt wurden, werden den Neuankömmlingen zugesprochen. Der Streit um Landtitel dauert bis heute an. „Wir müssen verstehen, dass es den Moro nicht um einen religiösen Konflikt geht, sondern darum, ihre kulturellen Wurzeln zu bewahren“, sagt Quevedo. „Meine Aufgabe als Bischof ist es, die christliche Bevölkerung aufzuklären, Vorurteile zu beseitigen und ein friedliches Miteinander zu fördern.“

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