Mit dem Herzen einer Tigerin

Gewalt gegen Frauen gehört in Indien zum Alltag. Beleidigungen, sexueller Missbrauch und Vergewaltigungen sind keine Seltenheit. Mädchen werden verschleppt, als Ware angeboten und zwangsverheiratet. Es gibt kein Gesetz, das Vergewaltigung in der Ehe bestraft. In ihrem Buch „Mit dem Herzen einer Tigerin“ erzählt Autorin Katharina Finke aus Sicht der Inderin Amila eindrucksvoll den Lebens- und Leidensweg der jungen Frau.

Mit dem Herzen einer Tigerin von Katharina Finke

Gewalt, Angst und Erniedrigungen

Amilas Geschichte klingt für uns unfassbar: Das Mädchen wird im Alter von neun Jahren von ihren Eltern einer entfernten Bekannten anvertraut, die sie angeblich nur für ein paar Tage nach Neu-Delhi mitnehmen will. Doch aus dem vermeintlichen Abenteuer wird ein Leben voller Gewalt, Angst und Erniedrigungen. Amila wird zunächst zwei Jahre als Arbeitssklavin missbraucht, im Alter von elf Jahren mit dem deutlich älteren Mann Akthar zwangsverheiratet und fast täglich zum Sex gezwungen.

Heute ist Amila 24 Jahre alt und hat fünf Kinder. Noch immer ist sie mit Akthar verheiratet und seiner Gewalt hilflos ausgeliefert. Sie hasse ihren Mann aber nicht, sagt Amila im Buch. „Dafür müsste ich Gefühle für Akthar haben, die habe ich aber nicht. Er widert mich einfach an.“

Im Käfig der Angst

Ihre Kinder liebt sie über alles, doch ihre Ehe erträgt sie nur schwer: „Mein Leben fühlt sich oft so an, als befände ich mich in einem Käfig der Angst.“ Trotz allem hat sie aber die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verloren: „Ich kam zu dem Resultat, dass sie mir meine Freiheit hatten nehmen können, aber nicht den Mut.“ Nach ihren Möglichkeiten setzt sie sich für bessere Lebensbedingungen von Frauen in Indien ein und will das Verhältnis zwischen Männern und Frauen verbessern.

Autorin Katharina Finke © David Weyand
Autorin Katharina Finke © David Weyand

Katharina Finke erzählt die Geschichte der jungen Inderin so, wie Amila sie ihr in Indien berichtet hat. Die Schilderungen sind für den Leser manchmal nur schwer zu ertragen, vor allem dann, wenn die junge Inderin nüchtern über die Vergewaltigungen durch ihren Ehemann Akthar spricht.

Für ihre Recherchen interviewte Autorin Finke in Indien neben Amila viele Frauen, denen es ganz ähnlich erging:
„Ich war überwältigt davon, wie viele Frauen mir ihr Vertrauen entgegenbrachten und von ihrem Missbrauch erzählten. Die Bandbreite reichte von jungen Mädchen bis zu älteren Frauen, wohlhabend und arm, zu Hause und am Arbeitsplatz, in der Stadt und auf dem Land, im Norden, Süden, Osten und Westen des Subkontinents. Eins verband die Frauen, die Gewalt erlitten hatten: Sie wollten mir ihre Geschichte anvertrauen, denn für viele von ihnen war es das allererste Mal, dass sie darüber sprechen konnten.“

Zum Schutz der Protagonistin wie auch der anderen Frauen hat Katharina Finke alle Namen und Orte in dem Buch geändert.

Katharina Finke will mit ihrem Buch dazu anregen, das Thema „Gewalt gegen Frauen in Indien“ in der Öffentlichkeit zu diskutieren und „im Idealfall langfristig zur Verbesserung der Umstände beizutragen“. Also fangen wir schleunigst damit an!

Mehr über das Schicksal von zwangsverheirateten und missbrauchten Mädchen in Indien erfahrt ihr auch in unserer interaktiven Ausstellung missio for life.

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