Tragischer Mangel an Toiletten

Nachricht vom Selbstmord einer 17-Jährigen entfacht in Indien Sicherheitsdebatte

Indien1Die aktuelle Meldung auf dem indischen Nachrichtenportal matters india sorgt bei uns für ungläubiges, entsetztes Kopfschütteln: Ein 17 Jahre altes Mädchen hat sich im indischen Bundesstaat Jharkhand das Leben genommen, weil sich ihre Eltern weigerten,  in dem kleinen Haus der Familie eine Toilette einzubauen – wohl um das dafür nötige Geld für die Hochzeit des Kindes zu sparen. Für uns schier unfassbar.

Das tragische Schicksal der jungen Khusboo Kumari hat in Indien jetzt eine heftige Debatte um Hygiene und Sicherheit vor allem von Frauen und Mädchen ausgelöst.

Laut einer Volkszählung von 2011 ist Jharkhand der Bundesstaat mit den wenigsten Toiletten in Indien: In fast drei Viertel aller Haushalte gibt es dort keine Sanitäranlagen. Nimmt man ganz Indien in den Blick, hat offiziellen Schätzungen zufolge jeder Zweite kein WC im Haus.

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Indisches Dorf: In den meisten Häusern gibt es keine Toiletten.

Trotz einer im vergangenen Jahr gestarteten Hygiene- und Sauberkeitskampagne der indischen Regierung ist die Situation nach wie vor verheerend. In den meisten Haushalten wird die Notdurft im Freien, auf dem Feld oder an Bahngleisen verrichtet. Weil sich viele genieren, werden Dämmerung oder Dunkelheit für den Toilettengang bevorzugt. Vergewaltigungen sind dabei keine Seltenheit – oft lauern die Täter ihren Opfern gezielt auf.

„Der Mangel an Toiletten ist einer der wesentlichen Gründe für Verbrechen in ländlichen Gegenden“, mahnt die Vorsitzende der staatlichen Frauenkommission, Mahua Maji. Den Selbstmord des 17 Jahre alten Mädchens nennt sie „eine schreckliche Tragödie“. „Viele gebildete Frauen und Mädchen drängen darauf, dass es in ihrem Zuhause endlich eine Toilette gibt. Das ist auch eine Frage der weiblichen Sicherheit und Würde.“

Auch wir von missio for life greifen das Thema Gewalt gegen Frauen in unserer Game App Renu und die Sari-Revolution in Form von Augmented Reality-Elementen auf. Schüler recherchieren auf scheinbar realen Webseiten und Foren zur Frauenrechtsproblematik in Indien und erkennen, dass geschlechtsspezifische Gewalt im indischen Alltag tragisch verankert ist.

 

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