Umbrüche – Vivian Sundaram im Haus der Kunst

Das Haus der Kunst in München zeigt gerade eine große Ausstellung der Werke von Vivian Sundaram. Der 1943 in Shimla geborene indische Künstler kämpft seit Jahrzehnten gegen religiösen Fundamentalismus und Nationalismus in seiner Heimat. In der Ausstellung in München zu sehen ist unter anderem seine große Multimedia-Installation „Memorial“, das an die hindu-muslimischen Unruhen 1992/93 in Nordindien erinnert.

„Memorial“ besteht aus 31 Teilen und
ist Vivan Sundarams bislang umfangreichste
Installation. Fotoquelle: Haus der Kunst.

 

 

 

 

 

 

 

Damals stürmten militante Hindus in Nordindien eine Moschee, rissen ihre Kuppeln ein und wollten an deren Stelle einen Hindu-Tempel errichten. Damit brach im säkularen Staat Indien schlagartig ein lange schwelender Konflikt an die Oberfläche. Es folgten brutale Ausschreitungen, Hunderte Menschen kamen dabei ums Leben.

Der Künstler Vivan Sundaram. Fotoquelle: Haus der Kunst.

„Indien sah sich nicht mehr von der einstige Kolonialmacht Großbritannien bedroht, sondern von einem bis heute anhaltenden inneren Konflikt – den Auseinandersetzungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen Hindus und Muslimen und der abnehmenden Toleranz gegenüber religiöser Minderheiten“, heißt es dazu im Begleitheft zur Sundaram-Ausstellung vom Haus der Kunst. Mit „Memorial“ wurde Sundarams Werk explizit politisch.

Eine weitere Installation – „Great Indian Bazaar“ – zeigt einen kreisförmigen Haufen von 1400 Postkarten in Metallrahmen. Sundaram dokumentiert damit fotografisch die provisorischen Stände der typischen indischen Sonntagsmärkte, ihr Überangebot an Schnickschnack, mit dem sich die Armen, die Globalisierungsverlierer, über Wasser zu halten versuchen.

Die Installation „Great Indian Bazaar“, 1997: 1400 postkartengroße Fotografien in Metallrahmen. Fotoquelle: Haus der Kunst.

Die Präsentation im Haus der Kunst ist die bislang umfassendste Überblickausstellung in Europa von Sundarams Schaffen. Zu sehen ist sie noch bis 7. Oktober. Alle Infos gibt’s unter https://hausderkunst.de/ausstellungen/vivan-sundaram-disjunctures.

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