Unwürdige Zustände in Gefängnissen auf den Philippinen

Geschönter Gefängnis-Alltag für’s TV in „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“

Zum Beginn jeder Staffel „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ bekommt TV-Deutschland zuverlässig ein kleines Skandälchen präsentiert. Die beiden Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf treten in der ProSieben-Show mit den abstrusen Mutproben nicht nur gegen ihre mentalen und körperlichen Grenzen an, sondern ganz bewusst auch gegen die des guten Geschmacks. Der vergangene Samstagabend hat das wieder eindrucksvoll bewiesen.

Dieses Mal wurde Klaas in ein philippinisches Gefängnis gesteckt und performte als Michael Jackson-Double mit den Häftlingen einen Tanz. Im Einspieler wirkte das Provinzgefängnis Cebu Provincial Detention and Rehabilitation Center zwar überbesetzt, aber verhältnismäßig professionell und gut organisiert. Der Gefängnisdirektor präsentierte sich kompetent, die Geschichten vom korrupten philippinischen Justizwesen und von den Vergewaltigungen Minderjähriger in Gefängnissen scheinen aus einer vergangenen Zeit zu stammen. Doch die  Projektpartner von missio for life zeichnen ein fundamental anderes Bild. Sie prangern nach wie vor die massenhafte Inhaftierung von Jugendlichen an.

 

Illegale Inhaftierung von Kindern in überfüllten Zellen

Amnesty International schätzt, dass seit 1995 bis zu 50.000 Kinder inhaftiert wurden. Oft für lange Zeit und ohne rechtskräftige Verhandlung. missio-Projektpartner Shay Cullen von der Kinderrechtsorganisation PREDA bringt die Lage folgendermaßen auf den Punkt: „Niemand weiß genau, was in den Gefängnissen vorgeht, weil niemand hineindarf.“

Laut philippinischem Gesetz müssen Verdächtige unmittelbar nach der Inhaftierung einem Haftrichter vorgeführt werden. Da das Justizsystem aber vollkommen überlastet ist, sitzen teils unschuldige Jugendliche monatelang ohne Gerichtsverhandlung in den Provinzgefängnissen – weit länger als die eigentliche Haftstrafe dauern würde.  Sozialarbeiter oder die Aufsichtspersonen der meist obdachlosen Minderjährigen werden häufig nicht verständigt. Die preisgekrönte UNICEF-Dokumentation „Kids Behind Bars“ spricht sogar von korrupten Polizisten, die sich die Freilassung der Kinder von deren Verwandten bezahlen lassen.

In den überfüllten Zellen herrschen menschenunwürdige Bedingungen vor. missio magazin-Reporterin Sandra Hoyn berichtete 2011 aus dem Gefängnis in Caloocan City, einem Stadtteil von Manila: „Bis zu 50 Männer teilen sich die 20 Quadratmeter große, fensterlose Zelle. In der überfüllten Zelle ist weder Schlaf noch tägliche Hygiene möglich. Sanitäre Anlagen sind nicht ausreichend vorhanden, nur eine offene Toilette für alle. In der Luft klebt der penetrante Geruch von Urin und Dreck.“ Definitiv andere Zustände als im „Duell um die Welt“. Kein Wunder, denn die philippinische Regierung stellt nur 30 Pesos (ca. 50 Cent) pro Gefangenem zur Verfügung. Das reicht nicht einmal für ausreichend Wasser und Nahrung.

 

Korruption und sexuelle Übergriffe in Gefängnissen

Was in philippinischen Gefängnissen (hier das New-Bilibid-Prison) genau passiert, weiß niemand genau. © missio
Was in philippinischen Gefängnissen (hier das New-Bilibid-Prison) genau passiert, weiß niemand. © missio

Wer in philippinischen Gefängnissen Geld hat, lebt gut. Korrupte Wächter erfüllen der zahlenden Kundschaft jeden Wunsch, wie ein landesweiter Skandal im New-Bilibid-Gefängnis kürzlich vor Augen führte: Mehrere inhaftierte Drogenbosse haben „wie die Könige“ gelebt, sagte Justizministerin Leila de Lima – inklusive Stripbar, Whirlpool und Drogen, versteht sich.

Wer weiter unten in der Hierarchie steht, läuft Gefahr, Opfer sexueller Übergriffe zu werden. Gerade Minderjährige brauchen deswegen den Schutz der Bandenbosse und kommen dadurch zum ersten Mal in Kontakt mit organisierter Kriminalität. So rekrutiert sich das philippinische Justizsystem  seine zukünftigen Schwerverbrecher quasi selbst.

 

PREDA befreit Jugendliche aus Gefängnissen und unterstützt sie

PREDA ermöglicht ehemaligen Straßen- und Gefängiskindern eine Ausbildung. © missio
PREDA ermöglicht ehemaligen Straßen- und Gefängiskindern eine Ausbildung. © missio

Der irische Pater Shay Cullen ist ein Projektpartner von missio for life. Er will das Elend in philippinischen Gefängnissen nicht einfach so hinnehmen. Deswegen gründete er 1974 die PREDA-Stiftung. PREDA befreit illegal inhaftierte Jugendliche und bietet drogenabhängigen und missbrauchten Kindern bzw. Jugendlichen eine neue Perspektive. So rutschen sie erst gar nicht in das Banden-Milieu ab.

In einem Rehabilitationszentrum können die Jugendlichen Theaterworkshops besuchen und bekommen die Chance auf eine Ausbildung. Sie werden auf eine selbstbestimmte Zukunft abseits der Kriminalität vorbereitet.

Das ist vielleicht nicht so PR-trächtig wie die aufwendige Michael Jackson-Tanzchoreographie im Cebu Provincial Detention and Rehabilitation Center. Dafür umso wirksamer.

 

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