Vom Zauber der Traditionen

Wenn es um traditionelle Glaubensvorstellungen geht, blickt man hierzulande meist in skeptische Gesichter. Traditionelle Heiler in Afrika werden oft belächelt. Für uns Europäer mutet das eher rückständig an, wenn nicht gar gefährlich, sollte ein Heiler bei ernsthaften Erkrankungen einem studierten Mediziner vorgezogen werden.

BURKINA FASO, Fetisch Figur aus Lehm
© Jörg Böthling

Dabei ist es, wenn man mal etwas genauer hinschaut, bei uns eigentlich gar nicht so groß anders. Aberglaube ist auch in unserem Alltag fest verankert. Nehmen wir zum Beispiel das Datum Freitag, den 13ten: Ein Unglückstag. Oft wird sogar die Nummer 13 aus öffentlichen Bereichen getilgt. Beispielsweise aus Rücksichtnahme vor ängstlichen Passagieren: Bei manchen Airlines gibt es im Flugzeug keine Reihe 13. Manchmal fehlt in Hochhäusern das 13. Stockwerk. Auch Glücksbringer (vierblättriges Kleeblatt) oder einen Talisman kennt jeder. Und wenn man dem Schornsteinfeger begegnet…, richtig: Man strahlt plötzlich vor Glück. Die Liste an Dingen, denen besondere Kräfte zugeschrieben werden, ist lang.

 

Im sensiblen Bereich der Medizin finden Praktiken Anwendung, deren positive Wirkung unzulänglich oder gar nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist. Da wäre zum einen die Homöopathie. Medizinisch höchst umstritten und die Wirkung der Globuli nicht bewiesen. Ebenso findet Esoterik einen großen Zulauf.

 

Auch im Christentum haben heidnische Bräuche ihren Platz gefunden: Kräuterweihe, Kerzen auf dem Adventskranz anzünden, Ostereier suchen. Dies sind gute Beispiele für die Praxis der Inkulturation: Alte kulturelle heidnische Bräuche werden so beispielsweise in den Ritus der katholischen Kirche implementiert, also aufgenommen. Warum wird das gemacht?

 

Im neuen missio-Magazin berichtet Bischof Modeste Kambou aus Burkina Faso über die Bedeutung dieser Praxis. Viele Christen dort glauben weiterhin an übersinnliche Mächte. „Jede Familie hat ihren eigenen Geist, zu dem sie bittet.“ Dennoch sagt er: „Heutzutage dürfen wir diese Kultur auf keinen Fall bekämpfen.“ Was er meint: Einheimische Strukturen dürfen nicht zerstört werden, so wie es früher oft der Fall war, als man den Leuten die christliche Religion aufzwang. Bischof Modeste Kambou weiß, wovon er spricht, er selbst gehört der Volksgruppe der Lobi an. „Wir brauchen einen Dialog zwischen Glaube und Kultur, sonst werden wir unsere christliche Religion hier nicht leben können.“

BURKINA FASO, Bischof Modeste Kambou © Jörg Böthling

 

Manch einer steht der Methodik der Inkulturation vielleicht kritisch gegenüber und spricht von einer Verfälschung der christlichen Lehre. Doch ändert Inkulturation nicht die christlichen Werte. Sie eröffnet lediglich andere Formen des Ausdrucks und ermöglicht einen anderen Zugang. Sie ist ein enorm wichtiges Zeichen der Akzeptanz, des Respekts und der Anerkennung gegenüber der jeweils anderen Kultur. Riten sind mehr als Ausdruck simpler Glaubensvorstellungen. Ob sie nun sinnig oder unsinnig für einen daher kommen; Sie sind Ausdruck einer kulturellen Identität. Denn so macht wahrscheinlich diese Praxis es auch erst möglich, dass sich Menschen auf der ganzen Welt unter dem gemeinsamen Dach der katholischen Kirche zusammenfinden.

 

Mehr von Bischof Modeste Kambou und weiteren interessanten Details zu traditionellen Praktiken in Burkina Faso gibt es in der neuen Ausgabe des missio Magazins zu lesen.

 

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