Von Helikopter-Eltern und Handy-Müttern

Familienleben auf den Philippinen

Unterschiedlicher könnte es wohl kaum sein: Während sich in Deutschland immer wieder neue Debatten um die Hubschrauber-Eltern entzünden, untersucht man auf den Philippinen, welche Auswirkungen Handy-Mütter und –Väter auf die Entwicklung ihrer Kinder haben.

Philippin@s arbeiten auf der ganzen Welt. © Susanne Riedlbauer/missio
Philippin@s arbeiten auf der ganzen Welt. © Susanne Riedlbauer/missio

Doch was haben ein Helikopter und ein Mobiltelefon mit Kindererziehung zu tun? Bei ersteren kann Wikipedia eine treffgenaue Antwort liefern: Unter Helikopter-Eltern, auch Hubschrauber-Eltern, versteht man populärsprachlich überfürsorgliche Eltern, die sich – wie ein Beobachtungs-Hubschrauber – ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten.

Bei Handy-Müttern läuft die Recherche allerding ins Leere. Die Antwort liegt 10.317 Kilometer entfernt: auf den Philippinen. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage versuchen viele Philippin@s ihr Glück im Ausland. Denn selbst bei schlechter Bezahlung verdienen sie dort mehr als im eignen Land. Sie arbeiten vor allem als Kindermädchen, Haushaltshilfen, Krankenschwestern, Hotelangestellte, Friseure, Köche, Maurer, landwirtschaftliche Helfer, Seeleute oder Entertainer.

Das Gute daran: Sowohl der philippinische Staat als auch die eigene Familie profitieren von den Milliarden, die jährlich zurück in die Heimat geschickt werden. Die Arbeiter selbst werden als Helden gefeiert.

 

Aber wie so oft ist, auch hier ist das Heldenleben ein meist einsames. Die sogenannten Overseas Filipino Workers (OFWs) sind  – wie der Name schon sagt – weit weg von Zuhause. Da die Philippinen ein Inselstaat sind, gibt es keine angrenzenden Länder, die mit Bahn oder Bus zu erreichen sind. Wer im Ausland arbeitet, muss fliegen. Ein Rückflugticket etwa zur Geburtstagsfeier des Ehemanns, zur Beerdigung der Mutter, zur Geburt der Tochter oder zur Einschulung des Sohnes ist für die meisten finanziell nicht zu stemmen. Von der Eins in Mathe oder vom ersten Liebeskummer erfahren die Väter oder Mütter vielleicht nur übers Handy – oder auch gar nicht. Denn das Alltägliche ist wie auch sie: weit, weit weg.

Gabriel im Interview für missio for life
Gabriel im Interview für missio for life © Susanne Riedlbauer/missio

Doch nicht nur die OFWs haben ihre Probleme mit der Entfernung. Auch ihre Kinder leiden unter der Distanz. Da ist zum Beispiel der 14 Jahre alte Gabriel: „Meine Mutter arbeitet als Hausmädchen in Saudi Arabien, seit drei Jahren war sie schon nicht mehr zuhause. Wir halten uns so gut es eben geht per Facebook oder Handy auf dem Laufenden.“ Im Moment lebt Gabriel allein mit seinem Vater. Doch auch er ist aufgrund seines Jobs als Busfahrer nicht viel zu Hause. Im Anschluss an das Gespräch für missio for life  hat er dann erzählt, wie traurig und wütend ihn die Situation oft macht.

Die Definition von Handy-Eltern ergibt sich damit von selbst: Handy-Eltern sind Eltern, die so weit von ihren Kindern entfernt leben, dass der persönliche Kontakt fast ausschließlich über’s Mobiltelefons stattfindet.

Die Geschichte von Gabriel und seiner Mutter ist auf den Philippinen kein Einzelfall. Jeder zehnte versucht sein Glück im Ausland, Heimatbesuche gibt es nur alle paar Jahre. Damit gehört der Inselstaat zu den führenden Ländern in punkto Arbeitsmigration. 2013 arbeiteten allein in Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten 1,7 Millionen Philippin@s.

 

Doch manchmal muss man auch gar nicht körperlich weg sein, um nicht da zu sein: In Deutschland gibt es eine ganz andere Sorte von Handy-Eltern. Wer hier und da noch schnell die Mails checkt, die ein oder andere WhatsApp-Nachricht schreibt und sich auch sonst kaum von seinem Smartphone trennen kann, riskiert, dass er seine Aufmerksamkeit mehr auf die virtuelle Welt als auf die eigenen Kinder richtet.

 

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