Zeit der Angst und Ungewissheit

Bis auf vier Kilometer rückte der IS 2014 an das orthodoxe Kloster Mor Mattai im Irak heran. Der Mönch Raban Yousiff und seine Mitbrüder hielten den Angreifern stand. Im Interview mit unserem Kollegen Christian Selbherr spricht Yousiff im aktuellen missio magazin über diese Zeit der Angst und der Ungewissheit.

Raban Yousiff, Mönch im Irak. © missio/Friedrich Stark

„Zwischen uns und dem ‚Islamischen Staat‘ lagen nur noch vier Kilometer. Sie hätten uns jederzeit angreifen können, und etwa zwei Mal pro Woche taten sie das auch. Sie versuchten die Front der kurdischen Peschmerga zu durchbrechen, meistens dann, wenn schlechtes Wetter war, weil sie dachten, dass sie bei Regen oder Nebel unbeobachtet vorrücken könnten. Aber sie scheiterten jedes Mal – Gott sei Dank. Die Flugzeuge der internationalen Koalition haben sie aufgehalten“, berichtet Raban Yousiff.

Die Millionenstadt Mossul, die von 2014 an vom IS kontrolliert wurde, ist nur etwa 20 Kilometer vom Kloster Mor Mattai entfernt. Für die Christen wurde das Leben dort schon ab 2004 immer schwieriger, wie der Mönch berichtet:

„Nach dem Sturz des Saddam-Regimes 2003 war dort alles für jeden erlaubt. Jeder konnte machen, was er wollte. Ab 2004 wurde es für uns Christen immer schlimmer. Radikale schlossen sich in Banden zusammen, gingen organisiert gegen uns vor. Vor allem die jungen Leute gerieten ins Visier dieser Milizen.“

Das Kloster Mor Mattai in der Ninive-Ebene im Nordirak. ©missio/Friedrich Stark

Historische Christenviertel wurden angegriffen, christliche Familien mehr und mehr unter Druck gesetzt, um sie aus ihren Heimatgebieten zu verdrängen. Viele Familien flüchteten aus Mossul ins nahe gelegene Kloster Mor Mattai.

„Hier im Kloster nahmen wir immer wieder Familien auf, die aus Mossul geflohen waren. Sie blieben zwei Wochen, 40 Tage, bis sich die Lage wieder beruhigt hatte und sie nach Hause gehen konnten. 2009, 2010, 2011 kamen immermehr. Dann besetzte der IS die StadtMossul. Als die Islamisten die Stadt einnahmen, wussten die Christen: ‚Wir müssen weg!‘ Hier im Kloster nahmen wir mehr als 65 Familien auf. Sie lebten etwa zwei Monate bei uns, bevor sie weiterzogen.“

„Nachgefragt bei…Raban Yousiff“ – Das Interview im aktuellen missio magazin 1/2018.

Wie Raban Yousiff die Lage aktuell einschätzt und was seiner Ansicht nach getan werden muss, damit es eine Zukunft für die christliche Minderheit im Nahen Osten gibt – das erfahrt Ihr im ausführlichen Interview im aktuellen missio magazin oder hier: 12-13_nachgefragt bei_raban yousiff_2018-01

 

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