Live vor Ort: zu Besuch in Metro Manila

Die Philippinen stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt der missio-Aktionen rund um den Sonntag der Weltmission im Oktober. Zur Vorbereitung besuchte eine kleine Delegation aus München und dem Bistum Speyer missio-Projekte und -Partner auf den Philippinen.

 

Die Anreise

20 Kilometer in 2 Stunden – das sollte zu schaffen sein! Voll Zuversicht stiegen wir in unsere zwei Kleinbusse, die uns am frühen Morgen von unserer Unterkunft „Bukal ng Tipan“ in das Herzstück Manilas bringen sollten. Dort in Intramuros, im ältesten Stadtteil und früheren Sitz der spanischen Kolonialverwaltung, wartete Weihbischof Pabillo auf uns.

p1010363
Am frühen Morgen: Abfahrt von der Unterkunft „Bukal ng Tipan“.
p1010266
Unser Ziel liegt hinter den Hochhäusern von Metro Manila.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während sich der erste Bus in den mehr als nur stockenden Verkehr der philippinischen Hauptstadt einreihte, kam unserer nicht einmal aus der Ausfahrt. Das Problem: Wir waren zu schwer! Und das obwohl wir das für 12 Philippin@s zugelassene Fahrzeug gerade mal mit 7 Deutschen plus Fahrer besetzt hatten. Das wirkliche Problem war jedoch nicht unsere fehlende „philipino size“, sondern die Tatsache, dass der Bus tiefergelegt war. Nach zahlreichen erfolglosen Versuchen des Fahrers die kleine Rampe dennoch zu überwinden, half nur noch die freundliche Bitte auszusteigen. Und schon war das Hindernis überwunden und auch wir konnten uns in den Stau einreihen.

p1010487
Unser tiefergelegter Kleinbus in Manila: Alle aussteigen!
p1010441
Manila im Stau!
p1010389
Verkehrschaos: Je schmaler das Fahrzeug, desto größer die Lücke!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier wartete die nächste Herausforderung für uns: Wie den Termin um 9 Uhr einhalten, wenn man einfach nicht vorankommt?! Im Wissen um die Verkehrssituation in Manila hatten wir ja sowieso schon 2 Stunden Fahrzeit, besser gesagt Stauzeit, eingerechnet. Vielleichte veranlasste unsere spürbare Hilflosigkeit, die sich nach und nach mit Ungeduld paarte, unseren philippinischen Fahrer dazu, jede nur erdenkliche – für uns auch zum Teil unerdenkliche – Weise Weg gutzumachen zu nutzen: Spontan die nur kurzzeitig freie Gegenfahrbahn in Beschlag zu nehmen, obwohl eine Trennmauer die Rückkehr auf die eigene Spur unmöglich machte, setzte uns dabei am meisten ins Erstaunen. Der Gegenverkehr schien es einfach nur zur Kenntnis zu nehmen.

img_20160818_074853
Geisterfahrer auf der Ortigas Avenue Extension?
img_20160818_074940
Nichts geht mehr: Vor uns Gegenverkehr, neben uns Mauer.

Die Begrüßung

Nach zahlreichen Fahr- sowie Ein- und Aussteigmanövern kamen wir nach 4 Stunden Fahrt in Intramuros an. Der Stadtbezirk verdankt übriges seinen Namen, wie es die Übersetzung „innerhalb der Mauern“, schon andeutet, der Tatsache, dass er komplett von Mauern umgeben ist. Der Name ist also Programm! Der sichtlich im Warten geübte Weihbischof und seine MitarbeiterInnen empfingen uns landestypisch mit Essen und Trinken. Da wir Zeit gut zu machen hatten, ließen wir uns das vermeintliche frühzeitige Mittagessen (Pizza, Nudeln, Chips, Cola, Kaffee) schmecken, während wir in die Arbeit der Erzdiözese Manila eingeführt wurden.

p1010477
Schüler und Studenten laufen entlang der Mauer, die Intramuros umgibt.
p1010490
Die Gebäude im ältesten Stadtteil Manilas zeugen noch von der spanischen Kolonialverwaltung.
p1010511
Weihbischof Pabillo ist sichtlich über unsere Ankunft erfreut und begrüßt uns sehr herzlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Wir zielen darauf, den Laien eine Stimme zu geben“, so Weihbischof Pabillo. „Viele Laien hören zwar darauf, was die Bischöfe sagen, aber sie selbst bleiben ruhig. Sie sollen lernen, sich zu äußern, sich einzubringen. Vor allem die sozialen Medien stellen eine gute Chance dar. Dafür bieten wir Trainings an.“ Doch auch die großen Probleme, die das Leben in der Megacity mit ca. 11,5 Millionen Einwohnern mit sich bringt, stehen auf der Agenda. „Neben einem Müll- und Wasserversorgungsproblem haben wir auch noch ein Stromversorgungsproblem. Wir sprechen gerade mit einem deutschen Konzern über Solarenergie für das Bischofshaus. Wir wollen Vorreiter und damit ein gutes Vorbild für andere sein. Bisher wird die Energie vor allem aus Kohle gewonnen. Das ist eine dreckige Energie!“.

p1010536
Bei einer „merienda“ werden wir in die Arbeit der Erzdiözese Manila eingeführt.
p1010514
Weihbischof Pabillo erklärt den weiteren Tagesablauf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als der weitere Tagesablauf vorgestellt wurde, waren wir überrascht und neugierig zu gleich. Überrascht, dass es nochmals Mittagessen geben würde und wir somit gerade „nur“ eine der beiden philippinischen „meriendas“ (=Zwischenmahlzeiten) hatten. Vor allem aber waren wir gespannt darauf, zwei Projekte der Erzdiözese live vor Ort besuchen zu dürfen. Ein Teil unserer Gruppe fuhr nach Montalban am Rand von Manila. Hier leben etwa achttausend Menschen – Christen und Muslime – die als illegale Siedler in der Hauptstadt vor einigen Jahren von der Regierung hierher zwangsumgesiedelt wurden. Die Erzdiözese unterstützt die Menschen dabei, sich dort zu organisieren, Verantwortung für ihr Leben und die Gemeinschaft zu übernehmen. Was die Gruppe dort erlebt hat, erfahren Sie hier: http://weltkirche-blog.katholisch.de/on-tour/2016/08/19/besuch-in-montalbano/

Auf nach Tondo

Der andere Teil fuhr gemeinsam mit Weihbischof Pabillo zu einer Pfarrgemeinde nach Tondo. Wir folgten ihm in einen voll besetzten Raum, wo uns eine kunterbunt gemischte Gruppe von Philippin@s herzlich begrüßte. Der Anlass ihres Treffens war jedoch nicht unser Besuch, sondern die tägliche Essensausgabe der Pfarrei. Bevor die Menschen allen Alters ihre selbstmitgebrachten Schüsseln und Dosen von ehrenamtlichen Helferinnen befüllen ließen, nahmen sie sich alle geduldig Zeit, unsere Fragen offen zu beantworten. Und davon gab es viele! Die meisten begannen mit einem Warum: „Warum sind so viele auf dieses Angebot angewiesen? Warum können Sie sich nicht selbst versorgen? Warum gibt es keine staatliche Hilfe?“.

p1010642
Freundliche Begrüßung im Pfarrhaus von Tondo.
p1010597
Erläuterungen für beide Seiten bringen Licht ins Dunkle.
p1010603
Die Menschen in Tondo erzählen aus ihrem Leben und gewähren uns damit ganz neu Einblicke.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es wurde sehr schnell deutlich, dass nahezu alle Anwesenden in diese aussichtlose Situation entweder hineingeboren oder unverschuldet hineingeraten sind. Und wer auf den Philippinen erst einmal dort angekommen ist, wo diese Menschen sind, findet selten einen Ausweg. Denn dazu müsste es auch welche geben! Während die einen von uns angesichts der aufgezeigten Situation immer sprachloser wurden, wollten die anderen noch mehr erfahren: „Wie wohnen Sie? Wie lange leben Sie schon auf der Straße? Wie sieht ihr Alltag aus?“. Mir ging dabei noch eine weitere Frage durch den Kopf: Wie kann man das alles nur ertragen? Ich habe mich aber nicht getraut, sie zu stellen. Was hätten die Leute auch antworten sollen?!

p1010629
Essensausgabe: Die meist selbstmitgebrachten Schüsseln werden befüllt.
p1010619
Für viele ist dies die einzige richtige Mahlzeit am Tag.
p1010641
Wer kein Zuhause hat, um dort zu essen, bleibt im Pfarrsaal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Danach gab es auch für uns Mittagessen. Schon wieder! Ein gutes, wenn auch trauriges Beispiel dafür, wie nah Reich und Arm, Hungrig und Übersättigt auf den Philippinen zusammenliegen. Eine Erfahrung, die wir während unserer Reise immer wieder machen mussten.

p1010656
Kontrastprogramm: Unser Mittagessen in Tondo.

Pappsatt verließen wir den auf 17 Grad heruntergekühlten Speiseraum, um unseren Rundgang durch das 35 Grad heiße Tondo zu starten. Hier wurde Realität was wir kurz zuvor gehört hatten: Wer einen Bretterverschlag oder gar ein Zimmerchen in einem selbst zusammen gebastelten Haus sein Zuhause nennen kann, hat schon mehr als die meisten. Viele haben gar keinen Ort, an den sie gehören. Nicht grundlos zählt dieser Stadtteil Manilas zu den ärmsten und unterentwickeltsten Gebieten der gesamten Philippinen.

p1010689
Dieses selbst zusammengezimmerte Hause gilt in Tondo fast schon als Luxus.
p1010686
Diese „Wohnung“ ist so groß wie eine Hundehütte. Sie bietet aber immerhin ein bisschen Sichtschutz.
p1010700
Wer sich kein Dach über dem Kopf leisten kann, muss auf der Strasse leben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Rundgang endete in der Pfarrkirche vor dem Votiv-Kerzen-Verkaufsstand (0,10 €/Stück). Jeder Farbe ist ein besonderes Anliegen (z.B. blau=Frieden) zugeordnet. Das wirklich Besondere aber ist, dass die Kerzen nicht irgendwo bestellt werden, sondern im Rückgebäude hergestellt und damit Arbeitsplätze geschaffen werden.

p1010671
Die Pfarrkirche stellt ihre Kerzen selber her und verkauft sie auch an umliegende Gemeinden.
p1010682
Kerzenherstellung und Verkauf kommen sowohl den Angestellten als auch der Kirche zu gute.
p1010725
Für jeden Anlass die richtige Kerze! Die Einnahmen kommen den sozialen Projekten der Gemeinde zu gute.

 Aggggggggggggggggggggggggggggg

 Agggggggggggggggggggggggggggggggg

Mein Fazit

Nach unserer nur 2 stündigen Rückfahrt in unsere Unterkunft, steht für mich fest: Weihbischof Pabillo und sein Team halten, was sich versprechen: Sie geben den Menschen in Tondo eine Stimme. Da das aber allein nicht genügt, gibt es noch all die anderen zahlreichen Angebote wie die Essenausgabe, eine Zahnarztpraxis, Möglichkeiten sich ehrenamtlich zu engagieren, eine kleine Apotheke, Einkommen schaffende Maßnahmen und natürlich Aufmerksamkeit.

p1010645
Da sich die meisten Einwohner in Tondo einen Arztbesuch nicht leisten können, ist die kleine Apotheke auf dem Pfarrgelände oft die einzige Anlaufstelle.
p1010648
Nur durch das ehrenamtliche Engagement von Zahnärzten kann die ein Zimmer große Praxis auf dem Kirchengelände am Laufen gehalten werden.
p1010650
Jeden Tag bereiten diese Damen aus Tondo die Mahlzeiten für die Essensausgabe vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch auch die Menschen selbst tragen ihren Teil dazu bei, ihre Situation ertragbar zu machen: Sie mögen zwar in einem sogenannten „Elendsviertel“ leben, aber sie lassen sich davon nicht einnehmen.

p1010654
Eine mehr als nur berechtigte Aufforderung: Run for humanity!

 

Weihbischof Pabillio zu Besuch in Deutschland:

weihbischof-broderick-pabilloZum Monat der Weltmission im Oktober wird Weihbischof Pabillio gemeinsam mit fünf weiteren Gästen aus den Philippinen in Bayern und dem Bistum Speyer unterwegs sein, um von ihrer Arbeit zu berichten.

Erleben Sie Weltkirche live! Termine in Ihrer Nähe unter www.missio.com/thema-des-monats/wms/missio-partner-unterwegs

Weitere Informationen, Videos, Bildungsmaterialien und Gästeflyer finden Sie hier: www.missio.com/thema-des-monats/wms/

 

 

 

Abonniert hier gerne unseren Blog!

Facebooktwittermail
Facebooktwitterrssyoutube
f g t y

Schreibe einen Kommentar