Indien ist mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern einer der bevölkerungsreichsten Staaten der Welt. Das mit knapp 3,3 Millionen Quadratkilometern siebtgrößte Land der Erde umfasst Wüstengebiete, weite, fruchtbare Landschaften und das höchste Gebirge der Erde: den Himalaja.

Trotz eines hohen Wirtschaftswachstums verdienen rund 30 Prozent aller Inder weniger als einen US-Dollar pro Tag – und mehr als 30 Prozent sind Analphabeten. Indiens Mittelschicht mag wachsen und gedeihen aber die Armut ist immer noch allgegenwärtig! In den Städten liegen Slums und Villenviertel oft dicht beieinander, auf dem Land kämpfen viele Bauern ums Überleben.

Das Kastenwesen, seit vielen Jahren verboten, trotzdem noch immer eine sichtbare und viel diskutierte Realität, macht die Situation nicht besser. Fast alle Armen gehören entweder zu den untersten Kasten oder zu den kastenlosen Dalits sowie den Adivasi-Ureinwohnern.

Am schwierigsten ist aber die Situation der Frauen, die in vielerlei Hinsicht diskriminiert werden. Aufgrund der Bevorzugung von Söhnen und der zu zahlenden hohen Mitgift für Töchter werden weibliche Föten trotz Verbots abgetrieben, Mädchen systematisch vernachlässigt, oft misshandelt, was wiederum die weibliche Kindersterblichkeit erhöht.

Nach der Heirat erfahren viele Frauen häusliche Gewalt. Mitgiftmorde sind an der Tagesordnung und Witwen werden nach dem Verlust des Ehemanns häufig von dessen und der eigenen Familie verstoßen.

Unser Beispielprojekt in Indien

Das Navijagriti-Heim: Anlaufstelle für Mädchen und Frauen

Lucknow liegt in Uttar Pradesh, einem der ärmsten Saaten Indiens. Das gesellschaftliche Gefüge wird von einem strikten Kastensystem geprägt. Der Status von Mädchen und Frauen ist extrem niedrig. Etwa 80 Prozent der Mädchen werden zwischen dem 15. und 18. Lebensjahr verheiratet. Alle Formen häuslicher Gewalt sind weit verbreitet, ebenso alle Formen von Ausbeutung der weiblichen Hausangestellten. Mädchen und Frauen dürfen nur selten das Haus verlassen und haben kaum Zugang zu ärztlicher Versorgung. Nach Gewaltexzessen landen sie oft auf der Straße.

Den Schwestern der Gemeinschaft "Franciscan Sisters of Mary" ist die Hilfe für Mädchen und Frauen in Not ein besonderes Anliegen. Seit einigen Jahren betreiben sie ein mit Hilfe von missio errichtetes Frauenhaus, wo Mädchen und Frauen Zuflucht finden, die Gewalt erfahren haben. Für alle Bedürfnisse der Mädchen müssen die Schwestern aufkommen: Unterkunft, Verpflegung, Kleidung, Kosten der Rehabilitation, Schul- und/oder Berufsausbildung. Maximal können 20 Mädchen aufgenommen werden, aber die Zahl derer, die Aufnahme benötigen, steigt.

Die Schwestern sind ausgebildet als Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Therapeutinnen. Sie haben viele Jahre Erfahrung mit Mädchen und Frauen, die Gewalt aller Art erfahren haben. In Navjagriti können sich die Frauen erholen und gesund werden an Leib und Seele. Sie werden wertgeschätzt. Sie erfahren, dass Gewalt nicht unbedingt zum Leben gehören muss. Sie können einen Beruf erlernen und ihr eigenes Geld verdienen. Es gibt Kurse für Schneidern, Sticken, Computer, Schmuckdesign, aber auch Gesundheitserziehung und Haushaltsführung. Das Trauma, das die Frauen durchlitten haben, wird aufgearbeitet. Sie bekommen spirituelle Begleitung und Rechtsberatung.